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In Memoriam

Wolfgang Bodewig

4. Oktober 1948 - 30. Juli 2006 in Wandlitz.
Wolfgang Bodewig war im Hauptberuf Kaufmann. Er war Gründungsmitglied und 1. gewählter Vorsitzender des am 6. Mai 1998 gegründeten Landesverbandes der Jugendrechtshäuser Brandenburg e.V. Er hatte im Frühjahr 1998 als einer der ersten Brandenburger den Mut, die bis dahin unbekannte und eher misstrauisch beäugte Idee vom Jugendrechtshaus tatkräftig in die Praxis umzusetzen und sie sowohl durch persönlichen Einsatz als auch finanziell zu unterstützen. Er führte den Verein sehr engagiert und kümmerte sich persönlich um Einzelheiten, wie etwa um die optimale Gestaltung des Gemeinschaftsstands der Jugendrechtshäuser beim Deutschen Jugendgerichtstag in Hamburg im September 1998.
Die Jugendrechtshäuser lagen Wolfgang Bodewig bis zu seinem Tod am Herzen. Trotz seiner enormen anderweitigen Verpflichtungen versuchte er, immer wieder bei Aktivitäten dabei zu sein, wie etwa bei der Gründungsveranstaltung des Jugendrechtshauses Eberswalde am 1. Dezember 2005. Insbesondere war er stets ein guter Ratgeber.

Die Angehörigen von Wolfgang Bodewig, der einem schweren Krebsleiden erlag, hatten darum gebeten, zur Trauerfeier in Wandlitz statt Blumen dem Landesverband der Jugendrechtshäuser Brandenburg e.V. Spenden zugute kommen zu lassen. Mit Hilfe dieser Spenden war es möglich, bei der Woche der Rechtskultur (18.-23.9.2006 in Cottbus) den Flüchtlingsverein Cottbus und die von ihm betreuten ausländischen Gäste zum "Langen Abend der Kulturen" einzuladen.


Eva Gropp

27. September 1953 in Tübingen - 4. September 2005 in Gießen
Eva Gropp war eine begeisterte und geduldige Sonderschullehrerin, die durch ihren Beitritt in den Verein Recht und Gesellschaft e.V. am 3. November 1995 bekunden wollte, wie wichtig ihr die Vermittlung von Rechtsbewusstsein bei Schülern war. Als die engagierte Mutter dreier Kinder am 10. Mai 2005 in der Justus-Liebig-Universität Gießen die Gastvorlesung "Jugendrechtshäuser und Rechtspädagogik" gehört hatte, meinte sie trotz ihrer schweren Krebserkrankung, dass sie versuchen wolle, ihren Sonderschülern noch mehr Regeln des Zusammenlebens zu vermitteln.

Als Eva Gropp am 4. September 2005 im Alter von 51 Jahren starb, hinterließ sie nicht nur in ihrer Familie, sondern auch in ihrer großen Verwandtschaft und in ihrem riesigen Freundes- und Kollegenkreis eine nicht zu schließende Lücke.


Prof. Dr. jur. Dr. h.c. mult. Arthur Kaufmann

10 Mai 1923 in Singen (Hohentwiel) - 11. April 2001 in München

Arthur Kaufmann gehörte zu den wenigen Gegenwartsphilosophen, die nicht an den drängenden Problemen unserer Zeit und unserer Gesellschaft vorbeigingen. So widmet sich seine in etwa 20 Sprachen übersetzte Rechtsphilosophie neben den klassischen Themen wie Recht und Moral, Rechtsstaat und Demokratie zu einem großen Teil der sozialen Gerechtigkeit. Er bezog unter anderem Stellung zu Ökologie, Reproduktionsmedizin, Humangenetik, Menschenklonen, Rechte der Natur, Tierversuchen, Schwangerschaftsabbruch, Sterbehilfe, Atomwaffen, Pluralismus und Risiokogesellschaft. Bis zu seinem Tod aktualisierte er sein Kapitel "Bioethik".

Mit Arthur Kaufmann, einem Schüler Gustav Radbruchs, verlor der Verein Recht und Gesellschaft e.V. einen unersetzbaren Schirmherrn. Niemand konnte das, was der Verein anstrebt, besser in seiner Person vereinen: Die klare wissenschaftliche Gedankenführung bei der Lösung grundlegender Probleme, der pragmatische Ansatz des früheren Richters bei dem Versuch, gefundene Lösungen in die Praxis umzusetzen und vor allem: die gelebte Güte des Herzens, die jedem Menschen vermittelt, dass er mit seiner Person und seinem So-sein ernst genommen wird.

Arthur Kaufmann war ein großer Befürworter der beginnenden Jugendrechtshausbewegung und der Rechtspädagogik, die versucht, u.a. im Geist der Rechtsphilosophie Arthur Kaufmanns jungen Menschen Rechtsbewusstsein, grundlegende Prinzipien des Zusammenlebens sowie grundlegende Rechtskenntnisse möglichst früh als Bestandteil ihres Alltags erfahrbar und begreifbar zu machen. Bis zuletzt suchte er selbst den rechtsphilosophischen Dialog mit der Jugend.

Entsprechend dem Wunsch Arthur Kaufmanns, den er Sigrun v. Hasseln gegenüber beim letzten Telefonat am 7. März 2001 im Hinblick auf sein Lebenswerk äußerte, wird sich der Verein Recht und Gesellschaft e.V. und seine "Kinder", der BVJR sowie die Akademie, weiter für eine Umsetzung seiner rechtsphilosophischen Ansätze im normalen Alltag und in der gerichtlichen Praxis einsetzen. Der Begründer des "kategorischen Imperativs der Toleranz" hatte bescheiden geäußert: "Jeder Richter, der dies versucht, macht mich glücklich. Ich wüsste dann, dass ich nicht ein Leben lang umsonst gearbeitet habe."


Dr. Roland Makowka

22. Dezember 1930 - 5. Dezember 2006, Hamburg
war im Hauptberuf Richter; von 1980 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1995 Präsident des Landgerichts Hamburg. In der Zeit von 1976 bis 1996 war er zudem Vorsitzender des Hamburgischen Richtervereins und anschließend dessen Ehrenvorsitzender. Nach seiner Pensionierung war er als Ombudsmann des Universitätskrankenhauses Hamburg Eppendorf (UKE) Ansprechpartner für Beschwerden von Patientinnen und Patienten. Für seine Verdienste als Ombudsmann verlieh ihm der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg am 16. Oktober 2006 die Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes in Silber.

Dr. Roland Makowka gehörte zum "Ur-Gründungstrio" der Jugendrechtshausbewegung, deren Anfänge bis 1991 zurückgehen. Zu den von Dr. Makowka eingebrachten schriftlichen Schlüsselwerken gehören sein Buch "Das humane Gericht" (Hamburg 1991. ISBN 3-923725-32-9) und seine Abhandlung "Als der Staat arm geworden" (veröffentlicht im Buch "Das Jugendrechtshaus 2000", S. 75 -78. ISBN 3-8311-0402-6).
1994 war er Mitgründer und bis 2004 stellvertretender Vorsitzender des Vereins Recht und Gesellschaft e.V..
2002 war er Mitgründer des Bundesverbandes der Jugendrechtshäuser Deutschland e.V.. Bis zuletzt setzte er sich für die Jugendrechtshausbewegung und für die Rechtspädagogik mit hohem persönlichem Engagement ein.
Sein Wunsch, auch bei der Gründung des Jugendrechtshauses Hamburg-Mitte am 4. April 2007 anwesend sein zu können, blieb ihm leider versagt.

Obwohl durch sein schweres Krebsleiden selbst vom Tod gezeichnet, hatte Roland Makowka bis wenige Tage vor seinem Tod ein offenes Ohr für die Sorgen von (Tod-) Kranken im UKE. Wir werden Roland nie vergessen.